Im heutigem Beitrag, will ich dir ein Anatomiebuch vorstellen, das meine Sichtweise auf die menschliche Haltung und Biomechanik revolutionierte. Das Buch von Thomas W. Meyers mit dem Namen Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen (für Manual- und Bewegungstherapeuten) dient seit dem nicht nur mir, sondern auch den meisten meiner Kollegen von Functional Patterns als Grundlagenwerk für Haltungskorrektur und funktionelles Training.

Warum solltest du als Laie ein Buch über Anatomie lesen?

Das ist eine berechtigte Frage. Eine kurze Antwort könnte von Moshé Feldenkrais stammen und wie folgt heißen: „Um dein Ich-Bild zu vervollständigen.“ Bezeichnen wir mal das Ich-Bild als ein Sammelsurium vom Ideen über den eigenen Geist und Körper. Gerade auf den Körper schaut Anatomy Trains verstärkt. Wenn du zu funktionellen Training gefunden hast, weil du Schmerzen hast oder hattest, wirst du lernen wie diese im Körper entstehen und zwar in Bereichen, die von den Regionen der Schmerzempfindung teilweise weit entfernt liegen. Wenn du zum funktionellen Training gefunden hast, weil du deine Leistung nachhaltig (ohne Verletzungen) verbessern willst, wirst du erfahren, wie die myofaszialen Meridiane (vereinfacht auch als Muskelschlingen bezeichnet) verlaufen. Dieses Wissen kann zum Beispiel für die Untersuchung von Bewegungsmustern und Kompensationen sowie dem Aufbau von Übungen, die integrativen Charakter haben und einzelne Muskeln nicht isolieren, genutzt werden.

Wie sich Anatomy Trains von anderen Anatomiebüchern unterscheidet

Thomas Meyers, selbst Manual Therapeut, hat viel Erfahrung in der Körperarbeit und hat über Jahre sowohl an lebendigen Menschen als auch an Leichnamen gearbeitet.  Die klassische Anatomie mit ihrer isolierten Betrachtung von Muskeln basiert fast immer auf sezierten Leichnamen. Das Bindegewebe (Faszie) wurde früher als irrelevante Füllschicht betrachtet und deswegen, mit dem Skalpell, von der Muskulatur getrennt. Nach neuen Erkenntnissen ist die Faszie jedoch eins der wichtigsten Organe, und das nicht nur für Haltung un Bewegung (mehr dazu aber im Buch). Leider ist die isolierter Betrachtung des Menschen, sowohl in der Therapie als auch im Training weit verbreitet. Der Unterschied zwischen einem Organismus und einem Mechanismus ist jedoch, dass der erste aus sich selbst wächst und der zweiter konstruiert ist. Zusammenfassend kann man sagen, dass Isolation immer eine Limitierung ist. Wer versucht den Körper in Einzelteile zu zerlegen, wird immer Gefahr laufen, das Ganze durcheinander zu bringen. Davon distanziert sich Anatomy Trains und zeigt Betrachtungsweisen auf, die zu mehr ganzheitlichem Vorgehen animieren.

Inhalte von Anatomy Trains

Grob kann Anatomy Trains in drei Abschnitte eingeteilt werden.

Einleitung in die Theorie der Faszien bzw. des Bindegewebes

Der erste Teil des Buches leitet in die Thematik ein, die sich mit dem myofaszialem System beschäftigt. Es werden wichtige Erkenntnisse des Bindegewebes und seiner Eigenschaften detailliert dargestellt. Ich muss klar sagen, dass dieser Teil sogar für mich als Trainer sehr nerdy war/ist, weil vieles von dem Wissen eher in den Bereich Bio-Chemie bzw. Medizin einzuordnen ist. Was jedoch in keinerlei Sicht fehl am Platz ist. Meyers schafft es die Beziehung von micro zu macro zu weben und lässt uns in Bereiche schauen, die sogar manchen Profis unbekannt sind.

Die myofaszialen Meridiane

Das Kernstück und der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit den myofaszialen Meridianen (Verbindungen aus Muskeln und Faszien). Meyers stellt mehrerer Meridiane vor, die er beim Sezieren von Leichnamen entdeckte, beschreibt ihre Relevanz für die Körperhaltung, Bewegung und geht auch auf die kompensatorischen Muster und ihre pathologischen Auswirkungen ein. Mich persönlich hat überrascht wie viele Alltags- und Gesellschaftserkrankungen auf das Ungleichgewicht des myofaszialen Gewebes zurück zu führen sind. Im Umkehrschluss stieg jedoch auch die Motivation, integrativ zu arbeiten und funktionelles Training als eine Investition zu sehen, die nicht nur einen Muskel größer macht, sondern die Basis für ganzheitliche Gesundheit bildet.

Analyse der Körperhaltung und praktische Anwendung

Im dritten Teil geht Meyers auf die praktische Relevanz in Therapie und Bewegung ein. Der wichtigere Teil für mich und alle, die ihre Haltung korrigieren wollen, ist die Analyse der Körperhaltung, die Meyers anhand von Klientenbildern durchgeht. Das Auge für die Analyse der Haltung hat man nicht sofort, wenn man sich in der Praxis jedoch mit dem eigenen oder dem Körper fremder beschäftigt, erkennt man Kompensationen immer schneller und häufiger. Alle die mehr Übung brauchen, können auf der Straße oder in jedem Fitnessstudio genug Probanden finden!

Empfehlung: Anatomy Trains als Wissens- und Nachschlagewerk

Anatomy Trains als Buch würde ich, wie der Titel es schon verrät, jedem Manual und Bewegungstherapeut (ich schließe jeden guten Trainer mit ein), aber auch jedem Menschen mit Interesse am eigenen Körper empfehlen. Zwar muss man sich daran gewöhnen auch mal ein paar Begriffe bei Google nachsuchen zu müssen, dies kann aber nicht schaden, da man tatsächlich mit jedem Detail das bereits erwähnte eigen Ich-Bild immer mehr vervollständigt und im Alltag eigenverantwortlich die passenden Maßnahmen für Training, Haltung oder ganzheitliche Gesundheit ableiten kann.

Frohes Lesen, Andy 🙂

 

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