In diesem Beitrag wirst du erfahren, auf welchen Grundannahmen das Training von Functional Patterns® (nachfolgend: FP) basiert und wie es die menschliche Biologie und Psyche berücksichtigt.

Primärbewegungen: Gehen, Laufen und Werfen

Unsere Anatomie und auch die Entwicklung dieser unterliegt bestimmten Wechselwirkungen und Kräften aus dem Äußeren (z. B. Schwerkraft) und aus dem Inneren (z. B. unsere Gewohnheitsmustern). Die Biomechanik und Psychosomatik (siehe weiter unten), sind beides wissenschaftliche Bereiche, die diese Wechselwirkungen zu beschreiben versuchen. Diese finden auch im Training von FP ihre Berücksichtigung.

Unser Bewegungsapparat und dessen Funktionen, entwickelten sich über Jahrtausende und haben uns zu dem gemacht was wir sind ( bzw. waren): Geher, Läufer, Werfer. Ja wir können auch schwimmen, klettern und viele andere lustige Sachen. Aus funktioneller und rehabilitativer Sicht macht die Priorisierung der ersten drei jedoch viel mehr Sinn, als z. B. das Schwimmen oder Klettern.

Wenn ich z. B. Jemanden betreuen der eine Dysfunktion im Hüftgelenk mit Schmerzen im Knie und Rücken hat, werde ich mit Übungen, die das Gangmuster verbessern, viel mehr Erfolg haben als mit Übungen die Kletter- oder Schwimmttechniken verbessern. Die meisten Menschen sind der Schwerkraft im Gehen und Sitzen ausgesetzt und dem muss das Training gerecht werden.

Das Training der Wurfmechanik optimiert die Schulter, welche in allen drei Dimensionen überwiegend muskuläre geführt ist . Die Verbesserung der Bewegungen des Wurfs führen zum mehr Stabilität und Mobilität im ganzen Schultergürtel und sind direkt übertragbar auf Sportarten wie Tennis, Volleyball, Handball und andere Wurfdisziplinen. Auch wenn man keine Wurfsportarten ausübt, sind die Teilbewegungsmuster des Wurfs Balsam für die Schultergelenke, welche im Alltag überwiegend nach innerotiert auf der Tastatur oder anderen ähnlichen Tätigkeiten belastet werden (es fehlt also die Außenrotation als Gegenkomponente).

Longitudinale Anatomie

Die longitudinale Anatomie beschreibt Anatomie über längere Distanzen. Man könnte auch von Muskelketten oder richtigerweise von myofaszialen Schlingen sprechen wie man sie z. B. von Konzept der myofaszialen Schlingen nach Myers kennt.

Die oben beschriebenen Bewegungsmuster werden überwiegend aus diesen langen Schlingen gesteuert. Dadurch verteilt der Körper, die auf ihn wirkende Energie aus dem Aufprall ( z. B. bei der Landung beim Laufen) im ganzen Körper und macht Bewegungenen effizient, da eine Gruppe von Muskeln zusammen mit dem Bindegewebe arbeitet und sich die Belastungen aufteilt. Fast immer entstehen Verletzung, welche nicht von außen zugeführt wurden, durch Fehlbelastungen von einzelnen Muskel- und Faszienschichten. In meiner Tätigkeit als Trainer für Rehabilitationssport im Bereich Orthopädie, sehe ich diese Wechselwirkung sehr oft. Fehlende Spannungen in spezifischen Regionen führen zu Überdominanzen von anderen Regionen, welche sich zuerst als Verspannung, dann als chronifizierte Spannung, Abnutzung in Form von Arthrose, Entlastungshaltung und er Verstärkung des Kreislauf weiter ausbauen.

Es ist also wichtig im Training einem integrativen Ansatz zu folgen, der nicht nur ein isoliertes Problem (z. B. Knieschmerzen) sondern auch dessen Ursachen (z. B. Fehlstellung des Beckens oder abgeflachten Fussgewölbe) berücksichtigt. Auch dieses Prinzipt wird bei FP durch die stettige Progression und Integration der Übungen gewährleistet.

Dysfunktionen sehen, spüren und korrigieren

Gerade am Anfang ist es fundamental wichtig, zu verstehen wie die eigenen Dysfunktionen entstanden sind bzw. entstehen und wie die Wechselwirkung im Körper ist. Wenn ich z. B. immer auf meinem priorisierten Bein das Gewicht verlagere, wird dieses noch dominanter werden und sich in der Regel auch stärker in den Gelenken abnutzen. Dies kann man mit einem geschulten Auge sehen. Deswegen ist das sehen der Anfang der eigenen Körperwahrnehmung. In der Praxis arbeite ich fast immer mit einem Spiegel, damit meine Klienten das sehen, was ich sehe und es auch Zuhause selbst korrigieren können.

Auf dem Spielfeld des Lebens sind jedoch nicht immer Spiegel bereitgestellt, deswegen ist es wichtig, vom Sehen in das spüren überzugehen. Fast immer reagieren meine Klienten auf eine gut ausgerichtete Haltung mit dem Satzt: „Das fühlt sich nicht normal an!“ Richtig, den die Norm ist eben das was der Körper die letzten Jahre als Dauerzustand wahrgenommen hat. Deswegen suchen wir nicht nach der Norm sondern nach dem Optimalen, was fast immer mit einer Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung einhergeht. Das sehen hilft uns quasi zu glauben, dass das was wir spüren gut ist und wir uns an ein neues Normal gewöhnen dürfen.

Oft versuche ich meine Kunden ihre Dysfunktion in verschiedenen Kontexten spüren zu lassen damit sie sich selbst in diesem Kontext korrigieren können, wenn ich nicht dabei bin. Eine Beckenrotation fühlt sich im Stehen anders an als in einem Unterarmstütz, die Spannung ähneln sich jedoch. Mit Wiederholungen reduziert sich hiermit die Abhängigkeit vom Feedbackgeber (Trainer) und dem Spiegel, was ein weiter Bestandteil der FP-Philosopie ist.

Psychosomatik

Die Wechselwirkung der Psyche auf den Körper, hat wohl jeder schon mal erlebt. Meistens in einer stressbedingten Verspannung z. B. im Nacken, Rücken oder der Leistenregion, dies sind die Wechselwirkungen, die durch die Psychosomatik beschrieben werden.

Adaption an Stress

Mit der Evolution und Adaption an äußere Bedingungen entwickelte der menschliche Körper unteranderem auch Schutzmechanismen wie z. B. das Hochziehen der Schultern um die empfindliche Regionen des Halses zu schützen. Die Erhöhung der Spannung in den Hüftbeugern und der Region der unteren Wirbelsäule dienten früher zudem dem Wegrennen oder der Jagd.

Noch nie waren wir körperlich so sicher jedoch mental so unter Spannung. Der Körper kennt den Unterschied zwischen zwischen von einem Tier gejagtt werden und dem gejagt werden von sorgen auf der Arbeit nicht. Angst/Stress und Muskeltonus waren früher immer an Bewegung gekoppelt. Wenn man sich also adaptierte, dann in Bewegung, nicht in statischem Stehen oder Sitzen unter muskulärer Spannung.

Die Adaption an Stress z. B. im Sitzen führt zu Verspannungen in Rücken, Hals und Schultern. Wenn diese Ver-/Spannungen dann auf Training treffen, führen diese zu kompensatorischen Bewegung, welche zu Verletzungen führen.

Adaption an destruktive habituelle Verhaltensweisen

Neben der Adaption an Stress gibt es auch die Adaption an destruktive Gewohnheiten. Nicht alle Angewohnheit sind destruktiver Natur und bedürfen korrektiven Massnahmen. Viele der eigen Gewohnheiten führen jedoch nicht nur auf dem Bereich der geistigen Haltung zu Limitierungen, sondern werden auch in körperlichen Haltungsmustern eingraviert.

Glaubensätze und -systeme, prägen wie wir mit uns und der Welt interagieren und wie viele Erfolge wir im Training erwarten können. Alle nachkommend beschriebenen Beispiele sind leicht abgewandelte Erfarhungen meiner Klienten.

Beispiel #1: Egon hat ein traumatisches Erlebnis gehabt. Seine Katze ist von einem vorbeirauschendem Lastwagen umgefahren worden. Seit diesem Erlebnis leidet er unter Selbstvorwürfen und lässt den Kopf wortwörtlich hängen. Wenn Egon sich nicht von seinen Selbstvorwürfen befreit, wird das Gewicht seines Kopfes dazu führen, dass die Muskel- und Faszien der Halswirbelsäule dauerhaft einseitig verkürzen und zusätzlich zu einem Rundrücken und vieleicht einer Kalkschulter führt, die sich nicht mehr nach oben schmerzfrei bewegen lässt.

Beispiel #2: Mareike hat ein Stelle im Staatstheater angetreten und versucht sich an die Empfehlung der Schaulspielschule zu halten: „Brust raus…“. Das Problem ist, das Brust raus aus biomechanischer Sicht nie als alleiniges Muster vorzufinden ist, sonden mit anderen Spannungsmuster, wie der Pomuskulatur und den tiefen Bauchmuskel einhergehen muss. Wenn also Bauch raus allein praktiziert wird führt dies zu Überstreckung der Brustwirbelsäule und zu einem Bandscheibenvorfall und eventuellen Rippenblockaden in der Brustwirbelsäule. Wenn Mareike ihre Glaubensätze von guter Haltung nicht bald über Bord wirft, wird sie ihre Beschwerden nicht loslassen.

Beispiel #3: Bernd ist ein vielbeschäftigter junger Akademiker/Unternehmer/Manager/Wasauchimmer und hat sich zum Ziel gesetzt zu den Besten in seinen Kreisen zu gehören. Bester sein führt zu gutem Gehalt, gutes Gehalt führt zu einem guten Leben mit tollen Reisen, schönem Auto und Wohnung etc. Leider plagt Bernd schon lange sein unterer Rücken, welcher steif ist. Vorallem konzentriertes Arbeiten und die wöchentlichen Sprints und Ziele und die Angst diese nicht zu erreichen verstärken die Spannung im Rücken, der Nacken meldet sich auch schon langsam. Wenn Bernd nicht die Bedeutung was Erfolg im Leben bedeutet verändert, wird der Stresshormonspiegel steigen, das sympathische Nervensystem die Muskeln im hohen Tonus halten und ein Burn-Out vielleicht die nächste Diagnose sein. Sport allein wird auf Dauer nicht alle Probleme lösen, Bernd sollte auch seine Glaubensätze überdenken.

Diese Beispiele sollten darstellen, wie ortopädische Baustellen durch psychologische Ursachen entstehen könne. Nun ist kein FP-Trainer ein ausgebildeter Life-Coach oder Psychotherapeut und macht Lebensberatung oder änliches, jedoch ist diese Einsicht ein festes Bestandteil bei FP, was zur folge hat, dass ich meine Klienten ab einem gewissen Punkt auch mit diesem Thema konfrontiere bzw. über dieses Thema aufkläre, wenn bestimmte Erfolge im Training ausbleiben.

Von Basics bis zur Höchstleistung

Die Methodik von FP fokussiert sich als erstes immer auf ein solides Fundament. Gemeint ist die Rumpf und die Glutealmuskulatur. Diese sind das Fundament für ein funktionelles Gangmuster was bei FP #1 ist. Begleitet werden die ersten Übungen von myofaszialen Releases (Tiefgewebemassge auch als Trigger-Punkt-Massage bekannt). Ist das Fundament verankert, werden die Basics zu komplexeren Übungen ausgebaut – man puzzelt die Funktionellen Mustern (eng. Functional Patterns) zu Bewegungsmuster wie Gehen, Laufen und Werfen zusammen. Wenn das Verständnis für funktionelle Bewegungen verankert ist, so kann der Trainierende für sich selbst entscheiden welche Bewegungsmuster oder Sportarten als funktionell oder dysfunktionell angesehen werden können und welche kompensatorischen Muster sie im Körper hinterlassen.

Macht das Sinn für mich?

Ich hoffe, dass ich dir mit dieser Übersicht helfen konnte die Vorannahmen hinter FP zu verstehen. Auf diesen Vorannahmen basiert das Personal Training, dass ich mit meinen Klienten ausübe. Viele Vorgehensweisen bzw. Fragen werden dadurch hoffentlich er- oder geklärt. Wenn die aufgelisteten Punkte für dich als logisch aufgebaut erscheinen, dann empfehle ich dir natürlich einen der (Online)-Kurse von FP oder einen direkten Kontakt zu mir in Form eines Personal Trainings.

Sportliche Grüße, Andy 💪🙂